Filme & Videoreportagen

Dass sich der Kapitalismus mit seinen Dauerkrisen nun doch dem Ende nähert - und Linke prophezeien dies seit langem - würden nur noch Ignoranten oder Ahnungslose bestreiten. Wachstumsideologie, Profitgier und grenzenlose Ausbeutung kommen an ihr Finitum. Doch was sind die Alternativen? Darüber denken ernstzunehmende Wissenschaftler und Kapitalismuskritier seit geraumer Zeit nach. Eine von Ihnen ist Dr. Friederike Habermann. Sie fordert eine Abkehr - auch von manchen Linken - von der Logik der kapitalistischen Tauschwirtschaft, hin zu einer Commons-Bewegung. Jenseits kapitalistischer Kauflogik und des Profitstrebens werden diese bereits länger in mehreren Ländern erprobt. Ecommony ist der Begriff, den Habermann dafür gewählt hat. In der Bewegung "MOVE" werden die verschiedenen Ansätze zusammengeführt (www.move-utopia.de). Am 16. Mai erzählte sie mehr darüber im Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis Sülz-Klettenberg.  

Kürzlich war in einem Block zu lesen: "Der Kapitalismus ist ein Spiel, dessen Regeln sich fortwährend ändern, beständig nur darin, überhaupt dies, ein Spiel, DAS SPIEL zu sein. Für keinen Spieler, und wäre er der größte, kann es auf Dauer gutgehen. Doch steht es niemandem frei, auszusteigen; denn es gibt keinen Raum, der dazu ein Außerhalb wäre. Entschlüsse vermögen nichts; selbst unter schlimmsten Umständen vollstreckt sich ausnahmslos jedem der Zwang, mitzuspielen. Das Spiel erhält sich auch dann, wenn alle es verlieren. Diese Einsicht ist es, die heute vor Entsetzen stumm macht." Das war eine sehr weise Feststellung. Sie könnte von Karl Marx sein.

Am 9. Mai hatten wir in einen Video-Beitrag Ulrike Herrmann veröffentlicht. Sie sprach vom Versagen der Ökonomen. Ihr Vortrag endet wenig zuversichtlich damit, dass der Kapitalismus in den nächsten 20 Jahren "chaotisch zusammenbricht". Am 16. Mai nun der Vortrag von Friederike Habermann, die mit ernstzunehmenden Real-Utopien für die Zukunft Vorschläge zur Bewältigung kapitalistischer Dauerkrisen macht. (Hans-Dieter Hey)

Habermann, Friederike: Ecommony
UmCARE zum Miteinander
Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach
Konzepte /Materialien 9
Paperback,
ca. 200 Seiten
ISBN 978-3-89741-386-3
19,95 €

 

Seit Jahren geht der schwerwiegende Vorwurf gegen die herrschende Ökonomielehre, sie könne mit ihren abstrakten Modellen weder Krisen erklären noch überhaupt Volkswirtschaften real abbilden. Die Probleme fingen bereits bei der „Gleichgewichtstheorie“ oder dem „Marktmechanismus“ an, primitiver Egoismus werde als Rationalität verkauft. Es folgten Kaffeesatzleserei von „Wirtschaftsweisen“ und falsche Rezepte für die Politik.

Studenten beschweren sich, nicht auf der Höhe der Zeit unterrichtet zu werden. Die Kenntnisse über Finanzkrisen oder Ungleichheit seien marginal. In selbstgefälliger Erstarrung hinge man systemblind alten Mythen und Glaubenssätzen ohne realen Bezug nach und verweigere sich Erkenntnisgewinn. Gefordert wird eine Wende, um den 90.000*) Studenten hierzulande eine plurale, kritische, transdisziplinäre Lehre und alternative Wirtschaftsmodelle zu bieten.

Die Historikerin und Ökonomin Ulrike Herrmann klärte am 9. Mai  in der als konservativ geltenden Universität Köln über das Versagen der Ökonomen auf und stellte ihr Buch mit dem provozierend-koketten Titel „Ganz ohne Kapitalismus ist auch keine Lösung“ vor. Die Veranstaltung wurde organisiert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis Köln Sülz-Klettenberg und der SoWi Hochschulgruppe Köln.(Hans-Dieter Hey)

*) Anm.: Es handelt sich um 90.000 Studierende der Volkswirtschaftslehre. Es gibt ungefähr 350.000 Absolventen in Deutschland, die "irgendetwas mit Wirtschaft" studieren.  

 

 

 

Ulrike Herrmann:
Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung
Verlag: WEST END
2016, Neuausg., 288 Seiten
Kartoniert (TB)
ISBN-10: 3864891418
ISBN-13: 9783864891410
€ 18,00

 

Dieser gängige Kampfspruch von Rentnern könnte in der Bundestagswahl 2017 eine bedeutende Rolle spielen. Noch geht es den meisten Rentnern gut. Doch wer die Augen offen hält und sich umschaut, wird feststellen, dass sich die leergutsammelnden Ruheständler vor allem in den Ballungsgebieten häufen, um ihre schmale Rente aufzustocken. Vor allem Frauen, Alleinerziehende, Niedriglöhner und Erwerbslose sind von dem Problem betroffen.

Viele Jahre warnten vor allem Linke und Rentenspezialisten vor zu niedrigen Löhnen und den Folgen der Hartzgesetze und ihre Auswirkung auf die Renten. Zehn Jahre nach den rot-grünen Rentenreformen sieht die Bilanz ernüchternd aus. Am 13. Januar fand in der Kölner Comedia Colonia eine von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierten, hochkarätig besetzte Rentendebatte zum Thema "Rente mit Zukunft" statt. Auf dieser Fachtagung wurden unterschiedliche Problemanalysen und Lösungswege vorgestellt.

Teilnehmer waren unter anderen Prof. em. Dr. Gerhard Bäcker (Universität Duisburg-Essen), Matthias W. Birkwald (MdB, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Im Bundestag), Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer (Leiterin AK Sozialversicherung des Sozialverband Deutschland – SOVD) und Bert Rürup (Präsident des Handelsblatt Research Institute).

Zu dieser Veranstaltung wird umfangreiches Videomaterial zur Verfügung gestellt. Als Vorabausschnitt wird das Rentenkonzept der Partei Die Linke von Mathias W. Birkwald vorgestellt. (Hans-Dieter Hey)

Fotos aus der Veranstaltung hier!

Die Vergabe des Internationalen Demokratiepreises Bonn 2016 ging an die Außenbevollmächtigte der EU, Federica Mogherini. Das konnte nicht ohne Widrspruch gehen. Wird Mogherini doch für eine Aufrüstung der EU mitverantwortlich gemacht und für die Abschottung Europas gegenüber Flüchtlingen. Von Attac erhielt Frau Mogherini deshalb den "Goldenen Panzer" verliehen. Hier ein Ausschnitt aus der Preisverleihung und ein daran anschließendes Interview mit einem Attac-Aktivisten. 20 Minunten.