Seit Jahren geht der schwerwiegende Vorwurf gegen die herrschende Ökonomielehre, sie könne mit ihren abstrakten Modellen weder Krisen erklären noch überhaupt Volkswirtschaften real abbilden. Die Probleme fingen bereits bei der „Gleichgewichtstheorie“ oder dem „Marktmechanismus“ an, primitiver Egoismus werde als Rationalität verkauft. Es folgten Kaffeesatzleserei von „Wirtschaftsweisen“ und falsche Rezepte für die Politik.

Studenten beschweren sich, nicht auf der Höhe der Zeit unterrichtet zu werden. Die Kenntnisse über Finanzkrisen oder Ungleichheit seien marginal. In selbstgefälliger Erstarrung hinge man systemblind alten Mythen und Glaubenssätzen ohne realen Bezug nach und verweigere sich Erkenntnisgewinn. Gefordert wird eine Wende, um den 90.000*) Studenten hierzulande eine plurale, kritische, transdisziplinäre Lehre und alternative Wirtschaftsmodelle zu bieten.

Die Historikerin und Ökonomin Ulrike Herrmann klärte am 9. Mai  in der als konservativ geltenden Universität Köln über das Versagen der Ökonomen auf und stellte ihr Buch mit dem provozierend-koketten Titel „Ganz ohne Kapitalismus ist auch keine Lösung“ vor. Die Veranstaltung wurde organisiert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis Köln Sülz-Klettenberg und der SoWi Hochschulgruppe Köln.(Hans-Dieter Hey)

*) Anm.: Es handelt sich um 90.000 Studierende der Volkswirtschaftslehre. Es gibt ungefähr 350.000 Absolventen in Deutschland, die "irgendetwas mit Wirtschaft" studieren.  

 

 

 

Ulrike Herrmann:
Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung
Verlag: WEST END
2016, Neuausg., 288 Seiten
Kartoniert (TB)
ISBN-10: 3864891418
ISBN-13: 9783864891410
€ 18,00